Emberg und Bad Teinach, 25.04.2021

 

Liebe Gemeinde!

Das ist das Entscheidende in unserem Leben, dass Gott sich für uns interessiert und uns liebt.

Aus einer Predigt, die der Apostel Paulus einmal in der Hauptstadt Griechenlands, in Athen gehalten hat, erfahren wir einiges über Gott und seinem Interesse an uns. Ich lese aus Apg. 17, die Verse 26-28 und 30-31 dazu vor. Das finde ich toll: Gott will unser Freund sein, denn er hat jedermann den Glauben angeboten, wie es hier im Bibeltext heißt. Auch wenn manche von uns vielleicht noch gar nichts bisher davon gespürt oder geahnt haben in ihrem Leben. Es ist so: Der lebendige Gott, der alles geschaffen hat, interessiert sich brennend für jeden einzelnen von uns! Und das selbst dann, wenn wir vielleicht bisher wenig Interesse an ihm gezeigt haben. Der Dichter Albrecht Goes hat es einmal so formuliert: „Wir suchen dich nicht. Wir finden dich nicht. Du suchst und du findest uns, ewiges Licht. Wir lieben dich wenig, wir dienen dir schlecht, du liebst und du dienst uns, ewiger Knecht. Wir eifern im Unsern am selbstischen Ort, du musst um uns eifern, ewiges Wort. Wir können dich, Kind in der Krippe, nicht fassen. Wir können die Botschaft nur wahr sein lassen.“

Gott jedenfalls will unser ganzes Interesse an ihm wecken, denn er ist uns näher als wir ahnen, bezeugt uns Paulus hier in seiner Predigt. Gott schenkt uns alles, was wir zum Leben brauchen: die Luft, die uns umgibt und die wir atmen, Nahrung, Kleidung, Wohnung, Arbeit und Menschen, die uns lieben. Und wenn wir gesund sind, es uns gut geht, Arbeit haben und obendrein noch erfolgreich sind, dann nicht, weil wir das besonders verdient hätten, sondern weil Gott der Schöpfer Himmels und der Erde, unendlich gütig und großzügig zu uns ist. Gott hat die Welt geschaffen und bestimmt alle menschlichen Geschicke und hat den Menschen zu allen Zeiten und an allen Orten aufgetragen, nach Gotteserkenntnis zu streben. Gott, so sagt der Apostel Paulus, hat alle Menschen geschaffen, damit sie Ihn suchen und mit ihm in Kontakt treten sollen. Gott hat uns geschaffen, weil er mit uns in eine lebendige Beziehung treten will, mit uns durch sein Wort reden und durch seinen Geist in uns Gemeinschaft mit uns haben will. Darin spiegelt sich nicht nur unsere Geschöpflichkeit, sondern auch unsere Ebenbildlichkeit Gottes. Das meint Paulus, wenn er einige griechische Dichter mit den Worten zitiert: „Wir sind göttlichen Geschlechts“. D.h. wir sind von seiner Art und wir finden den Sinn unseres Lebens letztlich nur in Gott. Das Gespräch des Paulus mit den Athener Bürgern spiegelt seine Bemühungen wider, die Sehnsucht der Menschen nach echtem, sinnvollem Leben freizulegen. Er bringt sie in Berührung mit ihrem ureigensten Lebensdurst, um in ihnen eine Sehnsucht nach dem lebendigen Gott zu wecken.

 

Wonach sehnen wir uns eigentlich, wenn wir uns nach Leben, nach Liebe, nach Geborgenheit sehnen? Oder nach Freiheit und Unabhängigkeit? Was steckt hinter unserer Sehnsucht nach Anerkennung? Und was hinter unserem Bedürfnis, den eigenen Wohlstand oder unsere Macht zu steigern? Wonach sehnen wir uns wirklich? Es ist wichtig unseren Sehnsüchten auf den Grund zu gehen, auch wenn das manchmal schmerzhaft sein kann. Der Mensch, der sich nach Geld, Ruhm, Ehre und Genuss sehnt, sehnt sich eben nicht nur nach Geld, Ruhm, Ehre und Genuss. Das ist immer nur die Spitze des Eisbergs. Unter alledem liegt eine viel tiefere Schicht an Bedürfnissen, und meist heißt dieses Bedürfnis: Liebe und bedingungsloses Angenommensein. Und weder unser Partner, noch Geld, noch Macht, noch Besitz, noch Ansehen können dieses Bedürfnis bei uns vollständig stillen. Das Spannende dabei ist: Unter dieser Schicht liegt noch eine Schicht – und die hat immer mit Gott zu tun. Diese Schicht menschlicher Sehnsucht versucht Paulus hier freizulegen. Das eigentliche Geheimnis unseres Lebens ist Gott. Und das ist die Bestimmung unseres Lebens, dass wir eine Beziehung im Glauben und Vertrauen zu ihm finden.

 

Das erkannte auch jener junge Mann, der drei Jahrhunderte nach Paulus lebte. Er war ein intelligenter und wohlhabender Lebemann, der jeden Tag in vollen Zügen genoss. Aber irgendwann kam er in eine gewaltige Sinn – und Lebenskrise. Auf der Suche nach Antworten auf seine Fragen klapperte er die damals gängigen  Philosophien und Weltanschauungen ab. Doch nirgends fand er das, was seine Seele, sein innerer Mensch zu Ruhe kommen ließ. Nach vielen Irrungen und Wirrungen seines Lebens begegnete er schließlich dem Gott der Bibel, dem Vater Jesu Christi. Und zwar durch ein Bibelwort des Apostel Paulus aus dem Römerbrief. Dieser Gott faszinierte ihn und er merkte auf einmal: das ist es, was ich schon immer gesucht habe. Schließlich ließ er sich von Bischof Ambrosius von Mailand taufen und wurde einige Jahre später selbst Bischof. Die Rede ist von Aurelius Augustinus, dem berühmten Theologen und Kirchenvater des frühen Mittelalters. Seine Lebens- und Glaubenserfahrungen hat er einmal aufgeschrieben und fasste sie sozusagen mit einem Satz zusammen: „Du Gott, hast uns zu dir hin geschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“

Liebe Gemeinde, dasselbe haben durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder ungezählte Menschen erlebt: Als sie in Gott das Ziel und den Sinn ihres Lebens gefunden hatten, da merkten sie auf einmal: Gott war mir schon immer nahe! Auch da, wo ich mich noch gar nicht um ihn gekümmert habe, war er mir schon längst nahe. Ja, eigentlich habe ich gar nicht ihn gesucht und gefunden, sondern er mich. „Fürwahr, sagt Paulus, „er ist nicht ferne von einem jeden unter uns...Denn in ihm leben, weben und sind wir“.

 

Gott ist näher als wir ahnen, doch erst durch den Glauben an Jesus Christus erkennen und erfahren wir diese Gottesnähe ganz persönlich. Gott hat Jesus Christus durch seine Auferweckung von den Toten zur Schlüsselfigur des ganzen Universums und unseres Lebens gemacht. Gott bietet aller Welt den Glauben an heißt es hier im Bibeltext. Jeder ist eingeladen, mit dem in Kontakt zu treten, der als erster von den Toten auferstanden ist und ewiges Leben hat und gibt. Wie aber geschieht das nun ganz konkret, dass ich mit ihm in Kontakt treten kann? Ganz einfach indem ich sein Wort lese und zu ihm bete. Im Gebet kann ich bei Jesus alles abladen, was mich bewegt. Er hat auch unsere Interesselosigkeit an Gott und an ihm auf sich geladen und überwunden. Ja, durch Jesus hat Gott jedermann den Glauben angeboten, damit wir sinnvolles, faszinierendes und ewiges Leben in der Gemeinschaft mit ihm finden.

 

Im 2.Korintherbrief, Kapitel 5, Vers 17 heißt es: „Ist jemand in Christus – d.h. ist jemand mit ihm verbunden im Glauben – so ist er eine neue Kreatur, eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden.“ Weil wir Gott so viel wert sind, deshalb lädt er uns zu einem Leben im Vertrauen auf Jesus ein. Durch Jesus hinfinden zu Gott und seiner Wertschätzung für uns und so herausfinden aus den eigenen Minderwertigkeiten und Selbstüberschätzungen gleichermaßen, das ist nun möglich, weil seit Ostern Jesus unter uns lebendig ist!     

 Amen.