Predigt 1. Mose 15,1-18, 23. So. nach T., 4.11. 2018,

 

 

Liebe Gemeinde,

 

im Nachklang an das Reformationsfest vom 31.10. das wir inhaltlich immer am Sonntag danach in unserer Kirche bedenken möchte ich heute über Abraham, den Urvater des Glaubens sprechen. Den meisten von uns sind die Abrahamsgeschichten bekannt und vertraut.

In 1. Mose 12 ruft Gott erstmals Abraham (Abram) in seine Nachfolge.

Er soll alles verlassen. Dafür verspricht Gott ihm seinen Segen, viele Nachkommen und neues Land. In 1. Mose 13 wiederholt Gott seine Verheißungen und wird uns Abraham als einer vorgestellt, der nicht seinen eigenen Vorteil sucht, sondern Lot das Land wählen lässt, wo er sich niederlassen will mit seinen Vieherden.

Und in 1. Mose 14 befreit Abraham Lot aus Feindeshand und wird vom Priester Melchisedek aus Jerusalem gesegnet. Abraham und seine Frau Sara haben zweifellos viel Spannendes auf ihrem Glaubensweg erlebt.

Ihr Glaube ist immer wieder von Gott auf die Probe gestellt worden und immer ging es um das ganze Vertrauen zu Gott. Abraham und seine Frau Sara haben etwas riskiert, indem sie sich auf den Weg des Glaubens und Vertrauens auf Gott eingelassen haben – uns zum Vorbild.

 

 

Aber wie ist das bei uns heute? Bringen wir unseren Glauben noch mit Begriffen wie Risiko oder Wagnis in Verbindung? In englischen Gemeinden habe ich erlebt, wie Christen dort das Wort Glaube mit Risiko umschrieben und übersetzt haben.

Was riskiere ich noch im Glauben, im Vertrauen zu Gott im persönlichen Leben und in der Gemeinde?

Ich erkenne unschwer bei mir einen großen Trägheitsmoment und eine großes Sicherheitsbedürfnis – vielleicht geht es Ihnen auch so? Die verschiedenen Erfahrungen und Begegnungen, die Abraham und Sara mit Gott gemacht haben, hat sie ständig verändert und gab ihnen Kraft für ihr weiteres Leben.

In 1. Mose 15 wendet sich Gott erneut in einer Offenbarung direkt an Abraham und bekräftigt seinen Glauben. (1. Mose 15,1-18 lesen.)

 

 

1.   Gott sagt, was er tut (V.1-5)

 

Das Versprechen Gottes knüpft für Abraham an das vorhergehende Geschehen an und beginnt mit der uns so bekannten Zusage Gottes an: „Fürchte dich nicht!“ Wie oft hat Gott doch gerade diese Worte seinen Leuten durch die Zeiten hindurch immer wieder sagen müssen.

Auch Jesus spricht so immer wieder zu seinen Jüngern und damit auch zu uns. Dieses Fürchte dich nicht, steht besonders immer dann im Raum, wenn der ewige Gott uns vergänglichen Menschen erscheint und begegnet. „Ich bin dein Schild“, sagt Gott zu Abraham und er muss sich nicht mehr fürchten vor dem König Kedor-Laomer, gegen den er gekämpft und besiegt hatte.

Und Abraham muss auch in Zukunft nicht befürchten, dass er im Leben zu kurz kommt – er hatte nämlich auf die Beute bei seinem Feldzug verzichtet. Gott selbst wird seinen Lohn sehr groß machen. Denn wer sich auf Gott eingelassen hat, auf den lässt Gott sich auch ein. Aber was soll Abraham aller Lohn, Reichtum und Wohlstand, wenn er keinen eigenen Nachkommen hat, dem er es geben kann? Lediglich ein Knecht aus seinem Hause kann es dann erben. Und nur ein eigener Nachkomme bedeutet Zukunft für das Geschlecht Abrahams. Abraham redet hier all seine Zweifel, Anfragen und seinen Kummer von der Seele und klagt es seinem Gott. Doch Gott ermutigt ihn und richtet ihn durch seine Worte auf: „Du sollst einen eigenen Nachkommen bekommen.“ Und zur Vergewisserung seines Versprechens gibt Gott dem Abraham die Sterne am Himmel als Zeichen.

Er holt ihn so aus dem Loch seiner Zweifel und der Hoffnungs-losigkeit heraus. „So werden deine Nachkommen sein.“

Dies bedeutet zum einen – so zahlreich werden deine Nachkommen sein. Und zum andern: Auf so wunderbare Art und Weise, wie Gott der Schöpfer den Kosmos geschaffen hat, so wird er dir auch Nachkommen schenken. Das ist ein Wunder. „Sieh nicht deine natürlichen Gegebenheiten und Möglichkeit an.“ Abrahams Blickrichtung soll nach oben gehen, zum Himmel, zu Gott. Gottes Schöpfermacht offenbart sich Abraham beim Anblick der Sterne. Diesem Gott ist nichts unmöglich.

 

 

2.   Abraham glaubt, was Gott sagt (V. 6)

 

Abraham lässt sich die Zusage der Nachkommenschaft von Gott gesagt sein! Er glaubt Gott aufs Wort! Er vertraut auf Gott und seine Verheißung. So einfach und schlicht wird uns hier Abrahams Glaube geschildert und ebenso schlicht die Reaktion Gottes: „und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit“. Glaube ist immer Antwort und nicht Erstwort von uns Menschen.

Und die Gerechtigkeit vor Gott, unser Rechtsein und Gerettetsein kommt nicht aus dem Tun, der Tat des Menschen, sondern aus dem Glauben und Vertrauen. So einfach ist das. „Abraham glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.“ Das ist der Weg des Heils.

Auf diese Art und Weise rettet Gott uns. In seinem bedingungslosen Glauben ist Abraham das Ur- und Vorbild aller Glaubenden für alle Zeiten. In Römer 4 beschreibt der Apostel Paulus ausführlich, wie Abraham der Vater der Glaubenden des alten und des neuen Bundes ist und das ohne das Zutun durch die Werke der Menschen, sondern allein durch den Glauben.

Glaube ist demnach völliges Vertrauen auf Gottes Möglichkeiten gegen den Augenschein. Abraham sieht nicht in seinem Fall sein hohes Alter und das hohe Alter seiner Frau Sara an, sondern vertraut auf Gott, der tun kann, was er zusagt. Gott macht die Toten lebendig „und ruft das, was nicht ist, dass es sei.“ (Römer 4,17) Wir aber, liebe Gemeinde, rechnen oft nur mit dem, was wir vor Augen und in der Hand haben.

Der Glaube aber rechnet mit Gott, dem nichts unmöglich ist. 3.Gott hält, was er verspricht (V. 7-18) Gottes Weg und Heilsplan mit Abraham hat damit begonnen, dass er ihn aus seiner angestammten Heimat herausgerufen hat. Dies wird als Befreiungstat Gottes geschildert, ähnlich wie es 400 Jahre später das Volk Israel erlebt hat, als Gott es aus der Sklaverei aus Ägypten befreit hat. Auch uns ruft Gott immer wieder heraus aus eingefahrenem Denken und alten Verhaltensmustern. Auf die erneute Landverheißung Gottes, erbittet sich Abraham ein Zeichen der Treue von Gott: „Woran soll ich merken, dass ich`s besitzen werde?“ Das ist die demütige Bitte eines angefochtenen Menschen nach Vergewisserung seines Glaubens, so wie z.B. in Psalm 86, 17: „Tu ein Zeichen an mir, dass du`s gut mit mir meinst.“

In der Gestalt von Feuer und Rauch, beides Zeichen der Gegenwart Gottes, geht Gott selbst durch die zerteilten Tiere beim Bundesschluss mit Abraham hindurch. Das ist ein Ausdruck der Selbst-verpflichtung Gottes, dass er treu zu seinen Zusagen steht. Denn Gott hat sich gebunden an sein Wort. „Deinen Nachkommen will ich dies Land geben.“

Gott hält sein Wort, aber er denkt in ganz anderen Dimensionen und Zeiträumen als wir Menschen. Und darum lässt er Abraham in einer prophetischen Vision das spätere Schicksal seines zukünftigen Volkes in Ägypten schauen. Gott hat den langen Atem und dürfen im Glauben und Vertrauen nachkommen. “Was er verspricht, das bricht er nicht; er bleibet meine Zuversicht. Ich will ihn ewig preisen.“

Der Schriftsteller Jeremias Gotthelf hat einmal folgendes geschrieben: „Viel glauben ist nicht schwer. Aber den Glauben zum Leben werden lassen, das ist schwer.“ Dem immer wieder vertrauensvollen Abraham steht auch immer wieder ein Abraham gegenüber, den Fragen, Zweifel, Ängste, Unsicherheiten und Nöte umtreiben. Für Abraham liegen Glaube und Zweifel, Vertrauen und Ungewissheit, Hoffnung und Resignation nahe beieinander – nicht anders als für jeden von uns. Gott bleibt treu aber wir leben häufig in einem Auf und Ab. Das gehört zu unserem Menschsein dazu. Es gibt keine falsche Sicherheit im Glauben. Die Schritte unseres Glaubensweges sind nicht im Voraus berechenbar. Und oft wird unser Glaube auch auf eine harte Probe gestellt und doch von Gott durch seine Treue zu uns bekräftigt durch alle Irrtümer und Nöte unseres Lebens hindurch.

Unser Glaube lebt von Gottes Bekräftigung und Treue. Amen