Predigt Lukas 8,4-15 So. Sexagesimae 3. Reihe

Emberg und Bad Teinach 07.02.2021,

 

 

Liebe Gemeinde,

dass Joe Biden die amerikanische Präsidentschaft gewonnen hat ist schon an sich ein großer Erfolg, wenn man berücksichtigt, wie gespalten das Land ist. Und er wird auch etliche Erfolge in seiner Amtszeit erzielen auch aufgrund seiner großen und langen politischen Erfahrung. Und trotzdem wird es nicht ausbleiben, dass er auch Misserfolge erleiden wird in seiner Amtszeit. Das ist aufgrund der verfahrenen Situation in seinem Land Amerika fast zwangsläufig so. Vor allem wird er so in seiner Amtszeit Beharrlichkeit, Geduld und Ausdauer brauchen, um seine politischen Vorhaben zum Wohl aller Bürger durchsetzen zu können.

 

Auch wir Christen stehen immer wieder unter dem Eindruck des Misserfolges und machen Erfahrungen des Scheiterns. Das gehört zum Leben dazu. Sonntag für Sonntag werden Gottesdienste in unserem Land gefeiert und Gottes Wort gepredigt. Im Religionsunterricht und in der Kinder- und Jugendarbeit wird versucht, den Kindern und Jugendlichen die Gute Nachricht von der Rettung unseres Lebens durch Jesus Christus nahezubringen. In Gesprächskreisen, in der Seelsorge bei Besuchen und in Glaubenskursen werden Fragen unseres christlichen Glaubens aufgegriffen. Vielfältig sind die Bemühungen und groß die Anstrengungen, den Menschen Gottes Wort zu sagen und den Glauben an Jesus Christus zu bezeugen – wenngleich in Zeiten der Corona-Pandemie dies alles etwas umständlicher und schwieriger geworden ist. Doch was kommt dabei heraus? So lautet manchmal die ernüchternde Frage. Etwa nur Misserfolg und Scheitern? Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist oft eher gering. Das öffentliche Interesse an der Kirche und ihrer Botschaft schwindet. Die christliche Tradition in unserem Land bricht mehr und mehr ab. Diese schmerzlichen Erfahrungen machen uns Christen immer wieder zu schaffen. In unserem heutigen Predigttext erzählt Jesus gerade seinen Jüngern, die mit solchen Erfahrungen des Misserfolgs zu kämpfen hatten, das Gleichnis vom Sämann, oder wie es auch überschrieben wird, vom vierfachen Ackerfeld. Jesus bringt darin klar zum Ausdruck, dass zwar nicht jedes ausgestreute Samenkorn Frucht bringt - es gibt reichlich Ausfälle und Verluste aus unterschiedlichen Gründen - aber am Schluss überwiegt die Frucht, hundertfältig sogar fällt das Ergebnis aus. Die Gewissheit auf eine reiche Ernte, trotz aller Hindernisse, Widerständen und Verluste, soll die Jünger und uns ermutigen, den Samen des Wortes Gottes reichlich auszustreuen. Ich lese Lukas 8,4-15.

 

4 Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu ihm eilten, redete er in einem Gleichnis:

5 Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf.

6 Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.

7 Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's.

8 Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

9 Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute.

10 Er aber sprach: Euch ist's gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen, den andern aber in Gleichnissen, damit sie es nicht sehen, auch wenn sie es sehen und hören und nicht verstehen.

11 Das Gleichnis aber bedeutet dies: Der Same ist das Wort Gottes.

12 Die aber auf dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden.

13 Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Doch sie haben keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab.

14 Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht.

15 Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

So geht es zu bei der Verkündigung des Wortes Gottes:

  1. Es geht viel daneben
  2. Es geht erstaunlich viel auf
  3. Es geht uns alle an.

1. Es geht viel daneben.

Drei von vier Beispielen zeigen, wie das Wort Gottes nicht ankommt oder weiterkommt, jedenfalls nicht so weit, wie es kommen will. Da ist der Weg als erstes Beispiel dafür, wie schnell wieder etwas weg sein kann. Aus dem ersten Hinhören wird ein Weghören und dann ein Aufhören. Es bleibt auf den ersten Augenblick beschränkt. Im Hintergrund, so erfahren wir, steht der Widersacher Gottes, der Teufel. Er legt es gezielt darauf an, dass nichts weitergeht und die gute Saat des Wortes Gottes bald eingeht. So entsteht keine Beziehung zwischen dem Hörer und dem Wort. Und bekanntlich kann der Glaube nur aus dem Hören des Wortes Gottes kommen. Es gibt also nicht nur festgetretene Wege, sondern auch verhärtete Herzen. Es kommt nicht zum Glauben, alles ist nur eine Momentaufnahme. Betrachten wir es also für ein Vorrecht, wenn Gottes Wort uns erreicht und Gott darin mit uns reden will und bitten wir ihn darum: „Mache mich zum guten Lande, wenn dein Samkorn auf mich fällt.“

 

Anders ist es bei dem, was auf den Felsen fällt. Da geht etwas auf. Die Begeisterung lässt sich spüren, eine neue Freude bricht durch. Es kommt zum Glauben, das Neue Leben keimt auf. Aber es geht nur solange gut, wie es gut geht. Der Glaube ist hier nur eine Frage der Zeit. Wenn es hart auf hart kommt, wenn es heiß wird, geht dieser oberflächliche Glaube ein. Er hält den Herausforderungen und Belastungsproben nicht stand. Ihm fehlt der Rückhalt, wie dem Samenkorn genügend Erde und Feuchtigkeit. Vielleicht ist es auch ein Hinweis auf die Gefahr der Vereinsamung, die fehlende Gemeinschaft in den Krisenzeiten des Lebens. Allein geht man ein, sagt eine Lebensweisheit. Darum dürfen wir Gott immer wieder neu bitten, wie es in einem Liedvers heißt: „Dass dein Wort in mein Herzen starke Wurzeln schlägt und dein Geist in meinem Leben gute Früchte trägt... Herr, du kannst dies Wunder tun.“

 

Das dritte Hindernis kommt mit den Dornen zum Ausdruck. Hier wächst der Glaube zwar auf, aber auch viel anderes wächst mit. Das Wort Gottes geht schließlich unter und wird überwuchert von Themen, die sich übermächtig in den Vordergrund spielen. Heimlich aber sicher werden die Prioritäten vertauscht. Anders als beim Felsen ist es hier nicht die Härte des Lebens, sondern die Freuden des Lebens, das Besorgt sein um Wohlstand und Besitz, das Vergnügen um jeden Preis, das Kleben am Geld, die das Wort ersticken. Gottes Wort wird vereinnahmt vom eigenen Lebenskonzept. Für vieles ist Zeit aber nicht ausreichend für Gottes Wort, Stille und Gebet.

 

„Was soll deine vornehmste Sorge sein in diesem Leben?“ So lautet die dritte Frage im alten Konfirmandenbüchlein. Und die Antwort lautet: „Dass ich dem Ruf Gott folge und das Himmelreich gewinne, wie Christus sagt: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“

 

Weg, Fels, Dornen - drei Hindernisse, die zeigen, welchen Hindernislauf das Wort Gottes vor sich hat, wenn es auf unser menschliches Herz trifft. Gott setzt sich mit seinem Wort den Menschenherzen aus wie ein Samenkorn, das auf den Acker geworfen wird. Er lässt uns die Freiheit, es aufzunehmen oder abzulehnen. Er setzt sich der Gefahr aus, überhört, missverstanden, ja missachtet zu werden. Das Risiko ist hoch. Aber wir sind es ihm wert. Größer als die Hindernisse unseres Herzens sind Gottes Verheißungen. Darum sollen wir uns nicht entmutigen lassen. Es geht zwar viel daneben, aber

 

2. Es geht auch erstaunlich viel auf

Hundertfach ist die Frucht, die auf gutes Land gefallen ist. Aus dem einen Samenkorn sind 100 Körner in einer prallen Ähre gereift. Der Ertrag ist überwältigend. So ist es, wenn Menschen durch Gottes Wort zum Glauben kommen und ihr Leben Gott anvertrauen. Dabei geschieht immer mehr, als wir erwarten und verstehen können. So berichtet z.B. Johannes Reimer, ein Christ, der bei Samara in der Wolga Region lebte, folgendes: Er wurde von einem KGB Mann verfolgt, der ihn zum Atheismus bekehren soll. Eines Nachts kommen die beiden Männer in ein tiefes Gespräch, das damit endet, dass der KGB Mann Christ wird. „Die Nacht verflog so schnell... wir wurden engste Freunde. Das Wort der Bibel ist in sein Herz gefallen. Und er war ein verwandelter Mensch. Ich habe damit nicht gerechnet. Aber ich war dafür offen, dass Jesus übernatürlich wirken kann und wird“, berichtete Reimer, dem später die Flucht nach Deutschland gelang, wo er nun als Pastor arbeitet.

 

Es geht erstaunlich viel auf. Der Ertrag ist enorm hoch. Dabei geht es nicht nur um die Zahl derer, die z.B. nach einer Bibelwoche oder anderen Veranstaltungen hängen geblieben sind in der Gemeinde, sondern jeder einzelne ist ein hundertfacher Gewinn für das Reich Gottes. Denken wir nicht oft viel zu klein von dem, was Gott schafft? Verstellen wir uns mit unseren Bemessungsgrößen nicht den Blick für das Große, das im Kleinen geschieht? Es ist nicht auszudenken, was Gott durch einen Menschen ausrichten kann, bei dem sein Wort Glauben findet. Jesus vertraut darauf, dass Gott sich mit seinem Wort in den Menschenherzen durchsetzen wird. Und er ermutigt uns, ebenfalls darauf zu vertrauen. Denn Gott hat versprochen, dass sein Wort nicht leer zurückkommen wird, wie wir es in der Schriftlesung gehört haben, so wenig es Schnee und Regen tun, wenn sie die Erde befeuchten. Ihm wird gelingen, wozu er es sendet. Es geht erstaunlich viel auf. Gott sei Dank!

 

3. Es geht uns alle an

Jesus liefert mit diesem Gleichnis nicht nur eine Zustandsbeschreibung, wie es dem Wort Gottes bei den Menschen ergeht. Er erzählt nicht Geschichten zur Unterhaltung, bei denen die Zuhörer zu Zuschauern werden und sich zurücklehnen können wie in einem Fernsehsessel. „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ Wir werden angesprochen, aufgeweckt, dieses Gleichnis für uns zu bedenken. Wenn der Acker nicht nur irgendwo draußen in der Welt ist, wenn es nicht nur um die anderen geht, die eingeladen waren, aber nicht gekommen sind, die eine Zeitlang dabei waren, aber nicht geblieben sind, wenn wir selbst das Ackerland sind, könnten uns etwa folgende Fragen kommen:

Wo gleicht mein Herz einem festgetretenen Weg? Bin ich in meinen Vorstellungen so festgefahren, dass ich nur noch höre, was ich hören will? Wo höre ich hin, wo höre ich weg?

Wo bin ich wie felsiger Untergrund unter der dünnen Erdschicht? Bleibt es bei der Begeisterung des Augenblicks? Oder geht etwas weiter im Alltag?

Und schließlich: Wie viel Luft bleibt mir? Was engt mich ein wie Dornengestrüpp, was nimmt mich so in Beschlag, dass ich mir keine Zeit mehr nehme zum Hören und Lesen von Gottes Wort und jeder Augenblick der Stille aufgefressen wird?

Hören wir diese Fragen nicht nur als mahnende Anfragen an unser Verhalten, sondern als liebevolles Nachfragen nach unserem ganz persönlichen Ergehen. Das gute Wort Gottes gedeiht auf gutem Land. Das ist aber kein eingezäunter Mustergarten, der nur wenigen zur Verfügung steht. Es ist ein offenes Feld, das überall da gedeiht, wo das Wort Gottes aufgenommen und festgehalten wird. Das geht nicht von heute auf morgen. Wachsen und Reifen braucht seine Zeit. Der Glaube kommt ohne die Geduld nicht aus. Aber was am Ende dabei herauskommt, ist überwältigend: hundertfache Frucht.

 

Das, worauf es für uns immer neu ankommt ist dies, dass wir durch die verschiedenen Altersstufen und Lebensphasen hindurch am Hören und Festhalten des Wortes Gottes dranbleiben! D.h. dass wir das Wort Gottes als junge Menschen gerade in der Zeit der Lebensplanung nicht außer Acht lassen und dass wir das Wort Gottes nicht in den Hintergrund drängen als Menschen die in der Kraft und Mitte ihres Lebens stehen, in der so viele andere Dinge sich in den Vordergrund drängen wollen. Und schließlich, dass wir an Gottes Wort bleiben, wenn Zeiten und Umstände kommen, die uns nicht gefallen werden und auch beim Älterwerden, wenn die Kräfte schwinden. Dafür lohnt sich aller Aufwand. Denn wenn auch viel daneben geht, ändert das nichts an Gottes großartigem Ziel: Wir dürfen Gottes Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und Frucht in Geduld bringen. Dann kann der Samen aufgehen und gedeihen, kann Jesus im Herzen Wachsen und sich im Leben auswirken. Daraus schöpfe ich Kraft, Hoffnung und Zuversicht.

 

Amen.