Predigt am 2.So.n.Trin. Reihe 4, 1.Kor. 14,1-4. 20-25, So. 10.06.2018 Schmieh und Bad Teinach

 

Liebe Gemeinde,

wir sind hier und heute ganz bewusst im Gottesdienst. Kein Kaffeekränzchen, kein Meeting, kein Konzert, keine Meditationsübung, sondern Gottesdienst. Was aber macht einen Gottesdienst aus? Welches Tunwort passt am besten zu Gottesdienst? „Dienen“ – Gott dient uns in der Predigt und im Segen und wir dienen Gott im Gebet und Singen im Gottesdienst. Dazu passt dann auch das Tunwort „Feiern“. Wir halten nicht bloß Gottesdienst, sondern wir feiern Gottesdienst. Was für den Gottesdienst wichtig ist, war schon immer umstritten. Man hat gefragt, welche Formen richtig und wichtig sind, und was man weglassen kann. Welche Elemente sind im Gottesdienst besonders wertvoll? Welche Instrumente gehören hinein und welche nicht? Das haben die Leute in Korinth schon vor knapp 2000 Jahren Paulus gefragt und er hat im 1.Korintherbrief darauf geantwortet.

Dort im 14. Kapitel zeigt er auf, was zu einer Gottesdienstfeier gehört. Es ist interessant, worauf Paulus den Schwerpunkt legt. Im Gottesdienst soll es verständlich, prophetisch und liebevoll zugehen.

Hören wir auf den Predigttext aus 1. Kor. 14,1-4 +20-25:

 

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Diesen Satz kennen die meisten von uns. Paulus schließt sein Hohes Lied der Liebe in Kap. 13 mit diesem Satz ab und rät daraufhin kurz und bündig am Anfang von Kap. 14: „Strebt nach dieser Liebe!“ Er kennt die Gemeinde in Korinth. Sie ist so vielfältig wie die damalige Welt. Zu ihr gehören Arme und Reiche und wo es Unterschiede gibt, da gibt es Konflikte. Paulus ist so etwas wie ein frühchristlicher Gemeindeberater. Er hört. Und sieht. Und er setzt einen Prozess in Gang, wie es besser werden könnte. Paulus geht es darum, wie im Gottesdienst geredet wird. Es geht um die Frage der Gottesdienstgestaltung in 1. Korinther 14. Paulus sieht einen Konflikt zwischen dem Reden in Zungen und dem prophetischen Reden. Ich weiß nicht, wer von Ihnen schon mal Zungenreden erlebt hat. Das ist eine Form des Betens und Singens, die für Außenstehende meist unverständlich und befremdlich ist. Sie hören Laute. Sie sehen und spüren, dass da ein Mensch ergriffen ist. Aber sie verstehen nicht, was in den Menschen vorgeht, die in Zungen reden. Die Menschen damals haben diese Weise des Redens als eine Wirkung des Heiligen Geistes verstanden. Heute finden wir diese Form der Wirkung des Geistes vor allem in den Kirchen, die wir Pfingst-kirchen oder auch charismatische Kirchen nennen und die weltweit wachsen. Paulus kritisiert an der Zungenrede in der Gemeinde, dass andere ohne eine Auslegung sie nicht verstehen können und dass man sie deshalb eher rein privat zur Anbetung Gottes und zur eigenen Auferbauung gebrauchen soll. Eine geistliche Rede, die für andere unverständlich bleibt, nützt der Gemeinde nichts. Daher zieht er die prophetische Rede der Zungenrede vor. Bei der prophetischen Rede handelt es sich um ein direktes Wort von Gott durch den Mund eines Menschen gesprochen für die jeweilig konkrete Situation der Gemeinde oder des Einzelnen. Sie hat einen den Menschen überführenden Charakter. Sie offenbart, wo das wirkliche Problem einer Gemeinde oder eines Einzelnen ist. Sie nennt die Sünde beim Namen. Dabei geht es um das Offenbarmachen des Verborgenen im Herzen. Durch prophetische Rede geht z.B. Menschen auf, dass das Leben, das sie führen, nicht das einzig mögliche ist. Sie merken: Ich kann mein Leben auch ganz anders ausrichten. Ich kann Gott in mein Leben einbeziehen. Denn er will mich in seinen großen Plan einbeziehen. Ich kann noch einmal neu anfangen. Ich kann mein Leben an Jesus ausrichten. Ich kann ihm nachfolgen. Er ist uns den Weg der Gerechtigkeit vorausgegangen. Und was am wichtigsten ist: Er lehrt mich, dass der Tod nicht das Ende des Lebens ist. Prophetische Rede kann letztlich immer nur im Glaubenswagnis geschehen, denn sie geschieht nach dem Maß des Glaubens, das jeder einzelne von Christus empfangen hat. Und sie ist und bleibt Stückwerk, so lange wir in dieser Welt unterwegs sind. Sie geschieht in der Gemeinde. Gerade weil manchmal göttlicher Geist und menschlicher Geist und Meinung von uns nur schwer zu unterscheiden sind, bedarf es der gemeinsamen Ausdeutung und Prüfung. Dabei gilt es, unsere Hörfähigkeit zu überprüfen und zu verbessern. Und es gilt besonders auf Gottes fleischgewordenes Wort, Jesus Christus, zu hören. Er weiß, was im Menschen ist und er gibt uns den Heiligen Geist, der uns verkündet, was er von Christus hören wird. Wie mit der Prophetie verhält es sich mit allen Gnadengaben. Nicht ein Gemeindeglied empfängt alle, sondern so wie der Heilige Geist will, d.h. in Bezug auf die Gemeinde: Wir sind aufeinander angewiesen, um die Fülle und Wirklichkeit der Charismen, der Gnadengaben zu erfahren. Dazu ist es nötig, dass wir in Liebe und Geduld miteinander umgehen und den anderen höher achten als uns selbst. Es muss eine seelsorgerliche Offenheit und ein Vertrauensverhältnis unter uns Gemeinde-gliedern wachsen, dass die Bereitschaft voneinander zu lernen größer wird und die gegenseitige Korrektur liebevoller wird. Und wenn auch die Predigt und die prophetische Rede nicht identisch sind, so sollte doch jede Predigt im Hören auf Gott um ein prophetisches Element ringen. Die einzige Leitlinie, die hier hilft, ist die Liebe. „Strebt nach der Liebe!“, schreibt darum Paulus. Die Liebe bleibt nie nur bei sich. Die Liebe fragt immer nach dem anderen. Mit der Liebe beginnt Paulus das ganze Kapitel über den Gottesdienst. Und direkt vorher hat er über sie ein ganzes Kapitel geschrieben. Nicht umsonst hat er es so begonnen: Wenn ich mit Menschen- oder Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht. Es wäre alles nichts. Wenn ich prophetisch reden könnte und hätte sie nicht, es wäre alles nichts. Aller Gottesdienst ist nichts ohne diese Liebe! „Strebt nach der Liebe!“ Wörtlich: „Verfolgt die Liebe!“ Sucht nach ihr. Wartet nicht, bis sie euch in den Schoß fällt. Streckt euch nach ihr aus. Und zwar nicht irgendeine Liebe, sondern die Liebe Gottes, die im NT so bedeutsam ist, dass sie ein eigenes Wort bekommen hat: die Agape. Nach der streckt euch aus. Nach der Gottesliebe. Nach der unbedingten, uns in jeder Hinsicht um Jesu willen gnädigen, barmherzigen Liebe. Diese Liebe ist es, die den Gottesdienst zur Feier macht. Und ich wünsche uns, dass sie uns jeden Sonntag begegnet. Angefangen von dem Eindruck, hier willkommen zu sein und gerne gesehen zu werden. Bis hin zu dem Eindruck im Herzen durch Gottes dienst und Predigt: „Ja, Jesus liebt mich, denn die Bibel sagt mir dies. Das macht den Gottesdienst aus. Und dann auch meinen Alltag. Amen