Andacht für die Karwoche 2020

 

 

 

Liebe Gemeindeglieder,

 

dieses besondere Kreuz stammt aus der Kirche St. Ludgeri in Münster in Westfalen.

 

Wie Sie sehen, hat der Christus, der am Kreuz hängt, keine Arme mehr.

 

Bis zum 2. Weltkrieg war das anders. Das Kreuz hing in der Kirche, und die ausgestreckten Arme Christi schienen die Welt zu umarmen.

 

Doch im Krieg wurde das Kreuz zu großen Teilen zerstört. Nur Kopf, Körper und Beine Christi konnten gerettet werden.

 

Dennoch hat die Gemeinde sich entschlossen, Jesus Christus und sein Kreuz auch ohne Arme wieder in der Kirche anzubringen.

 

So ist gerade dieses durch den Krieg beschädigte Kreuz ein besonderes Symbol für Jesus Christus geworden. Das Kreuz Christi überdauert auch die Wirren eines Krieges. Christi Arme bleiben durch die Form des Kreuzes erkennbar, selbst wenn sie in der plastischen Darstellung seines Körpers nicht mehr vorhanden sind.

 

Mir scheint gerade dieses Kreuz Christi besonders in unsere Zeit zu passen.

 

Haben wir nicht auch gerade das Gefühl, ein Stück weit unserer Hände und unserer Arme beraubt zu sein?

 

Wir dürfen niemandem die Hände schütteln. Eine freundliche, liebevolle, zärtliche und wohltuende Umarmung ist erst recht ausgeschlossen.

 

Nur ganz nahe Angehörige, die mit uns in derselben Wohnung leben, dürfen wir überhaupt noch anfassen.

 

In einer Zeit, in der jede und jeder beinahe auf sich allein gestellt ist, wären Berührungen für unseren Körper und für unsere Seele ganz besonders wertvoll.

 

Nun aber müssen wir uns zurücknehmen, haben Abstand zu wahren.

 

So komme ich mir selbst manchmal so vor, wie dieser gekreuzigte Christus.

 

Als ob ich keine Arme mehr hätte. Als ob ich regelrecht abgeschnitten wäre von meinen Mitmenschen, erst recht von den meisten Menschen, die ich gerne in die Arme schließen würde.

 

Jesu Arme, Jesu Hände scheinen gerade zu fehlen, fehlen ja tatsächlich in diesem Bild. Auch unsere Hände sind gebunden, weil wir nicht tun können, was wir gerne tun würden.

 

Weil unsere Hände gerade auch nicht stellvertretend für Christi Hände tätig werden können, wie es in einem alten, wunderbaren Glaubenstext zum Ausdruck kommt.

 

Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun.

 

Christus hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen. Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen. Christus hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen.

 

Unsere Hände und unsere Arme können in diesen Tagen nur eingeschränkt handeln. Auch die Wege, die unsere Füße gehen dürfen, sind begrenzt.

 

Unsere Lippen aber können die Liebe Gottes weiter verkünden. Gottes unendliche Liebe zu seiner ganzen Schöpfung, vor allem zu uns als seinen geliebten Menschenkindern, die sich im Kreuz Christi offenbart.

 

So gehen wir an Christi Seite mit, gerade in dieser Woche, in der wir sein Leiden und Sterben bedenken. So springen wir ihm zu Hilfe, damit alle Menschen von seinem Evangelium erfahren.

 

Denn umkehren, so heißt einer meiner Lieblingssätze des Glaubens, heißt immer umkehren in die offenen Arme Gottes.

 

Dieser Satz ist nicht sinnlos, auch und gerade in diesen Tagen nicht.

 

Weil, selbst wenn wir die offenen Arme Gottes nicht mehr wahrnehmen können, selbst wenn Christus keine Arme mehr zu haben scheint, so wie bei diesem Kreuz aus St. Ludgeri, Gottes Arme dennoch weit geöffnet bleiben.

 

Jesus hat uns sogar am Kreuz noch dazu eingeladen, mit seinen weit geöffneten Armen, unseren Weg zu Gott zu suchen. Gott lädt uns ein, uns in seine Arme fallen zu lassen, weil er uns damit auffangen will, egal was gerade geschieht.

 

Mag sein, dass wir es manchmal nicht sehen und manchmal auch nicht spüren können, aber Gottes Verheißungen bleiben bestehen, selbst in den Krisen unseres Lebens.

 

Gott lädt uns zu sich ein. Jesus Christus spricht es uns zu: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken!“

 

Darauf lassen Sie uns vertrauen, gerade in dieser Woche. Amen. (Pfarrer Moser)

 

 

 

 

Passionsandacht:  Jesu Hingabe und Vertrauen

 

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,

 

flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot,

 

um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.

 

So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

 

 

 

Menschen gehen zu Gott in Seiner Not,

 

finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,

 

sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.

 

Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.

 

 

 

Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,

 

sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot,

 

stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod,

 

und vergibt ihnen beiden.

 

(Dietrich Bonhoeffer)

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

 

„Christen stehen bei Gott in seinem Leiden“. Der Satz stammt aus dem Gedicht „Christen und Heiden“, das Dietrich Bonhoeffer 1944 im Gefängnis geschrieben hat. Sein 75-igster Todestag jährt sich dieses Jahr am 9. April. Und er schrieb weiter: „Wer Gott wirklich ist, lässt sich nämlich nur von seiner Menschwerdung her erkennen. Jesus Christus hilft nicht kraft seiner Allmacht, sondern durch seine Schwachheit und sein Leiden. Nur der leidende Gott kann helfen.“ Jesus muss den bitteren Kelch des Todes trinken, er weiß, dass dies der Wille seines Vaters ist und seine ihm bevorstehende Aufgabe unvermeidlich ist, damit wir Menschen gerettet werden können und ewiges Leben bekommen. So hält er im Gebet am Vater fest und fügt sich seinem Willen. In dieser Haltung weist Jesus auch uns den Weg. Wachet und betet auch in den dunkelsten Stunden eures Lebens. Ihr dürft eurem himmlischen Vater euer Herz ausschütten in jeder Lebenslage, auch und gerade jetzt in Zeiten der Corona - Krise. Er hört. Deshalb legt alle Angst und Sorge ihm im Gebet hin und lasst Ihn für euch sorgen. Sein Wille soll und wird geschehen. Das ist für uns gut so. Wir dürfen es Gott überlassen, welchen Weg er uns führt. Er wird es recht machen mit unserem Leben und Sterben. Wichtiger als alles andere in unserem Leben ist dieses Vertrauen zu unserem himmlischen Vater, indem wir wie Jesus sagen: „Dein Wille geschehe.“ Jesus hat „ja“ gesagt zu seiner von Gott gegebenen Aufgabe.  Er musste für uns leiden und sterben, damit wir von Schuld befreit und versöhnt mit Gott und den Menschen und uns selbst leben können. Gott sei Dank dafür.

 

Gebet

 

Du gehst deinen Weg bewusst und konsequent zu Ende.

 

Dazu fehlt uns oft die Kraft.

 

Dabei wartest du nicht nur am Ende des Weges,

 

sondern bist unser Weggefährte.

 

Herr, erbarme dich.

 

 

 

In der Not bittest du. Flehen, das aus dem Glauben wächst.

 

Lass auch uns in der Not den Glauben finden, zu dir zu schreien

 

und auf deine Antwort zu hören.

 

Christus, erbarme dich.

 

 

 

Du nimmst dein Kreuz auf dich, gehst deinen Weg.

 

Das Kreuz steht auch in unserem Leben. Der Weg, den du gehen musstest, steht auch uns bevor. Wir werden Auswege suchen, Umleitungen, bis wir wieder vor dem schweren Weg stehen.

 

Herr, erbarme dich.   Amen. (Pfarrer Schmidt)

 

Amtsblatt 08.04.2020

 

                                                 Wochenspruch:

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

                                                   Offenbarung 1,18

Liebe Gemeindeglieder,

 

die Passionszeit geht in der Karwoche ihrem Höhepunkt entgegen und wir sind eingeladen darüber neu nachzudenken und unser Herz dafür zu öffnen: „Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ (Johannes 3,14-15) Unser Weg des Lebens führt durch das Leiden und Sterben Jesu zur Auferstehung und zum ewigen Leben.

 

Gott möge uns auf diesem Weg begleiten, segnen und behüten.

 

Leider können zurzeit keine regulären Gottesdienste stattfinden. Dies ist in der Passions- und Osterzeit besonders bitter.

 

Die Sammlung des Gottesdienstopfers am Karfreitag fällt damit aus. Dies bedeutet für unsere Geschwister in Osteuropa einen radikalen Ausfall an unterstützenden Projektmitteln.

 

Die Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ (HfO) unterstützt mit dem Karfreitagsopfer in vielen unseren europäischen Nachbarländern hilfreiche Projekte für Menschen in Not. Damit die diesjährigen hilfreichen Projekte nicht ganz ausfallen müssen, können Sie dieses Jahr, wenn Sie möchten, Ihr Karfreitagsopfer auch auf das Konto der Kirchenpflege Bad Teinach überweisen. Wir leiten es dann an die Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ weiter.

 

Das Konto der Kirchenpflege lautet: 

Ev. Kirchenpflege Bad Teinach

DE65 666 500 850 000 012 220

Oder Sie können auch direkt Ihr Opfer an die Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ spenden.

Hilfe für die Schwestern und Brüder in Osteuropa

Eine Aktion der Evangelischen Landeskirche und ihrer Diakonie

Spenden Sie online à http://www.diakonie-wuerttemberg.de/hoffnung

Spendenkonto

Diakonisches Werk Württemberg
Heilbronner Straße 180, 70191 Stuttgart

Verwendungszweck: Hoffnung für Osteuropa

IBAN: DE37 5206 0410 0000 4080 00
BIC: GENODEF1EK1

Vielen Dank für alles was Sie spenden! Gott segne Geber und Gaben.

 

Wir sind im Pfarramt auch weiterhin erreichbar: Telefon 07053 / 8459, E-Mail: pfarramt.bad-teinach@elkw.de